Gottes Wort vertrauen – Barmherzigkeit leben


In den letzten Wochen hat eine Debatte die Bewegungen und Werke des

Gnadauer Verbandes erschüttert, die inzwischen erhebliche Ausmaße
angenommen hat. Die Art und Weise der Diskussion hat dabei Dimensionen

angenommen, die teilweise weder den Sachfragen noch den beteiligten

Personen und schon gar nicht den Menschen gerecht wird, die jeweils betroffen

sind.

Als Gnadauer Mitgliederversammlung äußern wir uns zu wenigen Aspekten,

die wir für wesentlich halten:

  • zu unserem Umgang mit der Bibel,
  • zur Ehe von Mann und Frau
  • und zu unseren Konsequenzen hinsichtlich der Segnung und Mitarbeiter-schaft von Menschen, die in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften leben.

 

Die Bibel – das Wort Gottes an uns

Wir achten die Bibel als Gottes Wort, auf das wir hören und dem wir im Leben

und Sterben vertrauen. Die Heilige Schrift allein ist der Maßstab für all das,

was wir glauben und verkünden. Sie ist „Regel und Richtschnur“ für unsere

Lehre und für unser Leben. Aufgrund der Bibel glauben wir an Jesus Christus

als die Wahrheit in Person und bekennen uns zum dreieinigen Gott.

Im Ringen um das rechte Verständnis der Schrift halten wir Unterschiede aus,

die es nicht nur in unserer Kirche, sondern auch innerhalb des Pietismus immer

gegeben hat und bis heute gibt. Wir wissen um die Begrenztheit unserer

eigenen Erkenntnis. Unsere eigene Auslegung findet im Verständnis der Brüder

und Schwestern immer wieder eine hilfreiche Korrektur.

 

Die Ehe – eine Stiftung Gottes für unser Leben

Wir bekennen uns unverändert dazu, dass Gott den Menschen als Mann und

Frau geschaffen hat. In der lebenslangen Einehe hat die menschliche Sexualität

einen einzigartigen Raum zur Entfaltung und Gestaltung.

Menschen, die nicht in einer Ehe leben, sind unabhängig von Geschlecht und

Alter zur Enthaltsamkeit aufgerufen, zu der Gott „Wollen und Vollbringen“

schenken kann.

 

Homosexuelle in der Gemeinde

Zunächst ist festzustellen, dass es Christinnen und Christen gibt, die homo-

sexuell empfinden, dabei aber unterschiedliche Konsequenzen für ihre

Lebensgestaltung ziehen. Homosexuelle haben selbstverständlich einen Raum

in unseren Gemeinden wie alle anderen auch. Ihnen gilt die Liebe Gottes

gleichermaßen ohne Vorbedingung. Das soll in unseren Gemeinden und

Gemeinschaften erfahrbar sein. Homosexuelle erleben das oft anders; hier

haben wir eine große Aufgabe.

Wir nehmen jedoch eine Spannung wahr zwischen dem biblischen Befund und

dem Leben in einer homosexuellen Beziehung. Aus unserer Sicht lassen sich

biblische Aussagen über den Willen Gottes und eine homosexuelle Lebensweise

nicht in Einklang bringen. – Gleichwohl gibt es einige unter uns, die an dieser

Stelle eine andere exegetische Einsicht haben oder die aus dem gleichen

exegetischen Befund andere Schlussfolgerungen ziehen.

Gott segnet die Ehe von Mann und Frau in besonderer Weise. Der Trausegen ist

ein einzigartiger Segen für die eheliche Gemeinschaft von Mann und Frau.

Er kann darum nicht auf eine andere Lebensform übertragen werden.

Weil die Lebensform eines Menschen immer „mit-spricht“ und „mitverkündigt“,

berufen wir Menschen, die in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft leben,

weder in den Verkündigungsdienst noch in Leitungsaufgaben. Denn Leben und

Lehre gehören zusammen.

 

Spannungen aushalten in einer Kultur der Barmherzigkeit

In unserem Miteinander wollen wir aufeinander hören und Spannungen

bewusst aushalten. Dabei leitet uns die Liebe Jesu Christi, die sich Menschen

vorbehaltlos zuwendet. Wir brauchen den klaren Standpunkt der Gebote Gottes

und das weite Herz seiner Liebe. So wollen wir für die biblische Wahrheit

eintreten und eine Kultur der Barmherzigkeit leben.


Beschlossen von der Mitgliederversammlung des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes am 19.02.2016 in Schwäbisch Gmünd (Schönblick).